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Empfehlung

Ab heute Abend: çok basel!

Ab heute Abend finden den gesamten Monat hindurch Veranstaltungen im Rahmen von çok basel! transnational memoryscapes switzerland – turkey statt:

Wer erinnert? Was wird erinnert? Wie wird erinnert? Wo wird erinnert?
Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen sind Studierende der Universität Basel im Rahmen eines Seminars den Erinnerungsspuren der Migration aus der Türkei nach Basel gefolgt. Daraus sind sechs Video- und Audioarbeiten entstanden, in denen die Porträtierten nicht nur die Türen zu ihren Lebensgeschichten öffnen, sondern vor allem zu den Quartieren, Strassen und Schulen, die sie geprägt haben.

Ab 18.30 Uhr auf der Lyss, Spalenvorstadt 2, Basel.
Weitere Informationen finden sie auf dem Flyer oder auf der website von çok basel.

Art and Politics, Empfehlung

Herzliche Einladung: Wir stellen Kinderbücher vor!

Am 17. Mai ist IDAHOT, der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie. Aus diesem Anlass findet in Basel vom 11.-18. Mai 2019 die Themenwoche Bunt! Basel divers statt. In diesen Tagen werden Reihe von Veranstaltungen zum Thema LGBTI (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersexual) im Raum Basel stattfinden. Unterschiedliche Institutionen und Organisationen partizipieren mit einem Beitrag – so auch wir:

Am Mittwoch, den 15.5.19, findet um 18:00 die Veranstaltung Bunt & vielfältig. Kinderbücher Heute in der Alten Markthalle Basel statt.
Die moderne Lebensrealität von Kindern sieht bunt aus. Doch was macht diese Vielfalt aus? Und wie kann es gelingen, mit Kindern auf möglichst vorurteilsbewusste, gendersensible Art über Zuschreibungen, Ideale und Identifikationen zu sprechen sowie vielfältige Lebensweisen und Familienmodelle zu thematisieren – ohne diese besonders hervorzuheben? «The Art of Intervention» stellt ausgewählte Bücher für Kinder im Vorschulalter vor, welche die Vielschichtigkeit von Rollenmodellen für Kinder und von Lebens- und Familienentwürfen beinhalten.

Organisiert wird Bunt! Basel divers vom Verein BAS3L.org, der sich für den Austausch zu aktuellen gesellschaftlichen Themen einsetzt. Ziel von BAS3L.org ist es, Plattformen zu schaffen, die gegenseitiges Wissen und Verständnis für unterschiedliche Positionen generieren und dadurch einen breiten Diskurs ermöglichen.

Weitere Informationen und Links
Programm Bunt! Basel divers als PDF und als Facebook-Event.
Veranstaltungsdetails Bunt & vielfältig. Kinderbücher Heute kompakt auf GayBasel.org.

Ein Argument in Bildern: read feminist books von Caroline Frett (2019).


Empfehlung

Empfehlung: Mimesia (Miriam Coretta Schulte)

Vom 16.-20.3.2019 findet in der Kaserne Basel Mimesia von Miriam Coretta Schulte statt und verspricht fünf Abende, die sich ganz der Kraft der Imitation widmen. Um es in den poetischen Worten des Programms der Kaserne Basel wieder zu geben:

Sie schaffen in neuer Konstellation Anleitungen und Muster, um sich gegenseitig zu beeinflussen. Sie schauen sich um und imitieren. Sie bauen Podeste für andere statt für sich selbst. Sie tanzen auf der Grenze von Unkontrollierbarkeit und radikaler Entschiedenheit, um ihre und unsere Identitäten zu erweitern. Das kann danach weitergehen – auf der Bühne und im realen Leben. Wir werden uns also verändern, aber sicher nicht allein.

Am 18.3.2019 um 19.30 Uhr findet zudem eine Einführung mit dem Titel Das Spiel der Mimesis – Einführende Überlegungen zu einer Kritik der Geschlechterordnungvon Dominique Grisard (Swiss Center vor Social Research) und Andrea Zimmermann (Zentrum Gender Studies, Universität Basel) statt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Kino ist etwas aus dem Leben – „Art War Displacement“

Im folgenden Eintrag wird die Arbeit der Film Akademie und Film Kommune Rojava beleuchtet an welcher der Drehbuchautor und Filmproduzent Önder Çakar beteiligt ist und auch unterrichtet. Dabei wird vor allem auf das Selbstverständnis und die Werte dieser Filmschaffenden eingegangen. In einem weiteren Schritt wird versucht die Praktiken der Rojava Film Kommune mit Ausschnitten aus Hito Steyerls Buch Duty Free Art (2017) in einen grösseren Kontext des globalen Kapitalismus und seiner Kunstwelt zu stellen.

Die letzte Veranstaltung vom 29.11.18 trägt den Titel „Art War Displacement“. An dem Abend ist die Künstlerin, Filmemacherin und Schriftstellerin Hito Steyerl anwesend, die sich in vielen ihrer Arbeiten mit Krieg, Postkolonialismus und Feminismus auseinandersetzt. Mit ihr gekommen sind die Kultur- und Kunstschaffenden Heja Netrik, Önder Çakar und Şener Özmen. Sie alle stehen in einer gewissen Beziehung zu Steyerl. Sie stellt uns die Kulturschaffenden kurz vor und beschreibt sie als ihre Freund*Innen, aber auch als das Netzwerk, in das ihre eigenen Arbeiten und sie selbst verwoben sind. Daher finden sich ihre Namen in den Krediten unterschiedlicher Arbeiten. Sie selbst steht also an diesem Abend nicht im Vordergrund. Sie gibt vielmehr den Rahmen, den Hintergrund, welcher von den anwesenden Kulturschaffenden mit ihren Erzählungen, Filmen und ihrer Musik bespielt wird.

Önder Çakar ist Drehbuchautor, Schauspieler und Filmproduzent. Er unterrichtet derzeit an der Rojava Film Academy und ist Teil der Rojava Film Kommune. Çakar lebte in der Türkei als der Angriff auf den kurdischen Kanton Kobanê in der selbstverwalteten Region Rojava stattfand – für ihn ein Ereignis das die ganze Welt betrifft. Çakar machte sich auf den Weg in die betroffenen Gebiete und wurde schwer verletzt. Nachdem er von Erfolgen des Wiederstandes hörte während er in der Türkei behandelt wurde, kehrte er nach Kobe zurück und beteiligte sich am Aufbau einer Kunst und Filmschule und an der Etablierung einer alternativen Kino- und Filmkultur. Aufgrund der Dringlichkeiten der dortigen Gegebenheiten erscheint dies im ersten Moment etwas zweitrangig. Doch Çakar erzählt von den Wünschen und Träumen der Leute dort und ihrem Kampf, der nicht nur Kobanê betrifft, sondern eine neue Welt vor Augen hat. Und Träume können nicht ohne Kunst erreicht werden, so Çakar. Auf einer Webseite, welche die Kommune beschreibt, steht: „[…] the Commune aims to reclaim cinema and film as a central space of reimagining society: democratising and revolutionising imagination itself.[1] Die Kunst soll dabei die Gesellschaft zum Thema haben. Es geht nicht um ein elitäres Kino, sondern um ein populäres. So findet sich auf dem alternativen Medienportal ANF News ein Interview mit einem weiteren Kommunenmitglied Alberto Garcia. Dieser sagt zum Kino: „Kino ist etwas aus dem Leben. Es macht das Leben zum Thema. Es sollte darauf fokussiert sein, den Menschen die Gelegenheit zu geben, sich einander und ihre Geschichten kennenzulernen und eine gute Zeit zu verbringen.“[2] Das Kino verbindet und bildet Netzwerke, zwischen Kunst- und Kulturschaffenden aber auch zwischen Kunst- und Kulturkonsumierenden.

Foto: Visible, 2017. Source.

Die Rojava Film Akademie und Kommune öffnet einen Diskurs, der nach Aufgaben und Möglichkeiten der Kunst fragt. In diesem Diskurs treffen sich Steyerl und Çakar wieder, wie sie es auch schon in Nordsyrien gemacht haben. In ihrem Buch Duty Free Art beschäftigt sich Hito Steyerl mit den Verknüpfungen zwischen Kunst, KünstlerInnen, KuratorInnen, dem neoliberalen Kapitalmarkt und dem weltweiten Bürgerkrieg. Im Kapitel „If You Don`t Have Bread, Eat Art! Contemporary Art and Derivative Fascisms“ beschreibt sie das Verkommen der Kunst zu einer alternativen Währungsform: „In times in which financial institutions and even whole political enteties may just dissolve into fluffy glitter, investment in art seems somehow more real.“[3] Sie beobachtet dadurch eine Entfremdung der Kunst von ihren eigentlichen Werten und Netzwerken und appelliert:

Ask yourself: Do you want global capitalism with a facist face? Do you want to artwash more insane weather, insane leaders, posionous and rising water, crumbling infrastructures, and brand-new walls? How can people geuinely share what they need? […] How can artistic (and art-related) autonomy evolve from haughty sovereignty to modest networked devolution? How can platform cooperatives contribute to this? Can art institutions follow the lead of new municipialist networks and alliances of “rebel cities“? In the face of deriviate fascisms, can local forms of life be reimagined beyond blood, soil, nation, and coroption, as networks of neighborhoods, publics, layered constituencies?“[4]

Folgt man dieser Passage ist auch für Hito Steyerl die Re-Organisierung von Netzwerken und die Re-Imaginierung von Zusammenleben der Schlüssel zu einer neuen Welt. Und genauso wie bei der Rojava Film Kommune verschmelzen dabei die Sphären der Kunst mit jenen der Gesellschaft. So könnten also Kunst-Projekte, wie die Film Kommune Rojava, einerseits helfen die Kunstwelt aus den Zwängen des globalen Kapitalismus zu befreien und in neue Netzwerke zu integrieren, andererseits bilden sie gleichzeitig auch Austauschplattformen, auf denen neue Gesellschaftsmodelle und Formen von Zusammenleben ausgehandelt werden können.

Text von Noah Lopez.


[1] Visible 2017

[2] ÇAKSU 2018

[3] Steyerl 2017: S. 182.

[4] Steyerl 2017: S. 188-189.Q

Literatur
Çaksu Ersin: Film-Kommune von Rojava: Alternative zum elitären Kino. ANF News 2018. URL [eingesehen am 01.12.18].
Steyerl, Hito: Duty Free Art. Art in the Age of Planetary Civil War. London, New York 2017.
Visible. Rojava Film Academy – Rojava Film Commune, 2017. URL [eingesehen an 01.12.18].

Art and Politics

Aussprechen mit Sarah Owens und Rahel El-Maawi

Im folgenden Eintrag findet eine Auseinandersetzung mit dem Aussprechen der Sichtbarkeit und der Unsichtbarkeit statt.

Ich gelange immer wieder zu der Überzeugung, dass ich das, was mir am Wichtigsten ist, aussprechen muss. In Worten ausdrücken und mitteilen muss, auch wenn ich damit das Risiko eingehe, dass es verborgen oder missverstanden wird. Dass mich mein Sprechen bereichert, über alle anderen möglichen Auswirkungen hinaus. –Valiente nach Lorde 2015

Mit dem vorangestellten Zitat beginnt die Poetin Audre Lorde eines ihrer Kapitel und ich meinen Kommentar zur Veranstaltung „Wer interveniert? Gedanken aus kunst/kultur_aktivistischer Perspektive“ (27.11.18) mit Sarah Owens und Rahel El-Maawi. Die beiden Frauen sprechen über Erfahrungen im Alltag und ihre Arbeit bei Bla*Sh (Black She), einem Netzwerk von Schwarzen* Frauen*. Der Einstieg erfolgt aus verschiedenen Gründen mit dem Zitat von Lorde. So wird die Poetin, welche sich in vielen ihrer Werke mit der eigenen Identität als schwarze, lesbische Frau auseinandersetzt, auch von den Referentinnen im Verlaufe des Gesprächs angesprochen und mit einer ähnlichen Stelle zitiert. Die beiden Kulturschaffenden und Aktivistinnen arbeiten ausserdem im Rahmen der Veranstaltung viel mit Zitaten. Die Zitate, welche von schwarzen Frauen stammen, werden wie Überthemen vor einem gewissen Abschnitt des Gespräches gelesen. Dabei geben ihnen Owens und El-Maawi bewusst Raum, indem jedes Zitat von ein paar Sekunden Schweigen begleitet wird. So sollen die Zitate  und ihre emotionale Wirkung aufgenommen werden können. In ihrem Zitat geht Lorde auf die bereichernde Kraft des Sprechens und Aussprechens ein. Dies weist auf eines der zentralen Themen des Abends hin: das Sprechen. So ist das Sprechen für die Veranstaltung formgebend, da der Dialog zwischen Owens und El-Maawi ihr eigentliches Format bildet. Owen und El-Maawi sprechen miteinander, das Publikum hört zu. Auch so wurde Bla*Sh gegründet, man traf sich am Küchentisch, brachte Bücher mit, teilte Alltagserfahrungen, und hörte sich zu: das Private ist politisch.

So sitzen nun Owen und El-Maawi vor uns, lesen Zitate und reden. Sie reden über Community, Safespaces, Role-Making, Sichtbarkeit, Unsichtbarkeit und Selfcare. Alles sind wichtige Themen ihres „Struggles“, so wie es Owens nennt, aber auch ihres alltäglichen Lebens. Besonders komplex wirkt das ambivalente Erleben der gleichzeitigen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. So scheinen schwarze Frauen* gerade in Bereichen der Wissenschaft, Kultur oder der Kunst unsichtbar zu sein: ihre Namen tauchen seltener auf. In Kinderbüchern, Filmen oder Werbungen erscheinen sie seltener und wenn dann oft in einer erklärten Sonderstellung: sie gehören nicht zum Normalen oder Selbstverständlichen. In der Filmindustrie bspw. wird erklärt und verhandelt, wieso jetzt gerade eine schwarze Frau* eine bestimmte Rolle spielt oder spielen darf. Hier beginnt schon die Ambivalenz der Sichtbarkeit: Auf der anderen Seite sind sie nämlich sehr wohl sichtbar, zum Beispiel als „Exotinnen“ oder als „Auffällige“ bei einer Sicherheitskontrolle. Identitätsbilder und Stereotypen werden von aussen zugeschrieben. So wird der eigenen Identitätssuche die Angst gegenübergestellt, gerade diese Stereotypen zu bedienen.

Die Praktiken und Strategien von Bla*Sh: Räume gestalten, Communitys bilden, Kunstformen erproben, kulturelle und politische Interventionen durchführen, versuchen auf Lücken und Leerstände hinzuweisen und diese zu füllen. Dazu gehört auch, Fremdzuschreibungen zu erkennen, zu reflektieren und diesen entgegenzuwirken. Die Praktiken von Bla*Sh sind aufgrund der Ambivalenz von Erfahrungen des Sichtbaren und Unsichtbaren sowohl nach innen sowie nach aussen gerichtet. In der Community und im Safespace kann reflektiert, Kraft gesammelt, und sich ausgetauscht werden. Nach aussen wirkend wird eine Adressierbarkeit erreicht, es wird interveniert und Identität und Repräsentation in einem gesellschaftlichen Diskurs verhandelt. Das Aussprechen und Mitteilen, aber auch das Zuhören, sind in beiden Sphären grundlegend.

Text von Noah Lopez.

Literatur
Valiente, AnouchK Ibacka (Hg.): Vertrauen, Kraft & Wiederstand. Kurze Texte und Reden von Audre Lorde. Berlin 2015.

Exhibition reviews

Medienspiegel zur Ausstellung (2)

Hier die letzten Artikel zur Ausstellung Martha Rosler & Hito Steyerl War Games. Das Fazit: Eine fulminante Ausstellung voller Denkanstösse.

1.8.2018 Springerin: Martha Rosler/Hito Steyerl War Games

5.9.2018 Brooklyn Rail: Martha Rosler and Hito Steyerl: War Games

1.10.2018 Kunstbulletin: Martha Rosler & Hito Steyerl — Böse Spiele

30.12.2018 NZZ am Sonntag: Der Krieg der Bilder

Unabhängig voneinander und in ihrer Gegenwartsanalyse doch eng verwandt, sagen beide Künstlerinnen jeder Hingabe an den Weltschmerz den Kampf an. Das Werk der Jüngeren gewinnt mit Rosler ein bis in die 1960er-Jahre zurückreichendes Fundament. Und wenn die Ältere, lange unter dem Vorzeichen feministischer Kunst gesehen, die Zukunft der US-amerikanischen Kampfdrohnen in den Blick nimmt, findet sie in Steyerl eine ebenso unerschrockene Komplizin. –Isabel Zürcher, Kunstbulletin