Art and Politics, Veranstaltung / Event

Aesthetics, Raciality, and Dispossession

Nächsten Montag, 25.5.2020, findet um 18.15 Uhr ein Online-Vortrag (auf Englisch) mit Rizvana Bradley, Assistenzprofessorin in Kunstgeschichte und African-American Studies an der Yale University, statt, moderiert von Dominique Grisard (The Art of Intervention, Gender Studies, Basel):

This talk addresses racialized embodiment and embodied life in relation to the interlocking questions of violence, surplus, and representation that subtend globalized flows of capital. If, as Paula Chakravartty and Denise Ferreira da Silva suggest, the logic of global financial capital hinges upon an irreducible raciality, how might we think about the minor aesthetic practices generated by „aberrant economic subjects“ who at once bear the conditions of possibility for, intransigent threats to, and deviant enactments of dispossessive accumulation?

Nach dem Vortrag können live Fragen gestellt werden. Informationen zum Online-Zugang finden sie hier. Für den Flyer zur Veranstaltung klicken sie hier (PDF).
Eine Veranstaltung im Kontext der Ausstellung Circular Flow am Kunstmuseum Basel.

Image: Cape Coast Castle is a fortification in Ghana. The Castle was built for the trade in timber and gold, later it was used in the trans-Atlantic slave trade, today it accommodates a museum operated by the Ghana Heritage Trust. Photographed by Julius Cruickshank (Australia), CC BY 2.0, wikimedia commons.

Art and Politics, Veranstaltung / Event

Ankündigung

Diesen Donnerstag Nachmittag finden ab 16 Uhr eine ganze Reihe von Veranstaltungen in der Ausstellung Circular Flow im Kunstmuseum Gegenwart, St. Alban-Rheinweg 60, statt:


Studentische Fokusführungen

Die Führungen wurden von Studierenden im Rahmen eines Kompetenzkurses der Gender Studies konzipiert. Die Führungen sind kostenlos und frei zugänglich. Sie können ohne Voranmeldung besucht werden. Die Teilnehmer*innenzahl ist auf 20 Personen pro Führung beschränkt. First come, first serve!

Termine und Themen:
12. März, 16.00-17.00 Uhr, zum Thema Money Flow
12. März, 17.00-18.00 Uhr, zum Thema Body Flow
12. März, 17.00-18.00 Uhr, zum Thema Black Flow
26. März, 16.00-17.00 Uhr, zum Thema Postcolonial Flow


Podiumsdiskussionen

Money Flow. Markt, Macht und Männlichkeit
12. März, 18.15-20.00 Uhr, Kunstmuseum Gegenwart

ACHTUNG: DIE VERANSTALTUNG WURDE LEIDER ABGESAGT!
Falls möglich, werden wir die Veranstaltung nachholen. Wir werden hier zu gegebener Zeit informieren. Wir wünschen euch alle eine gute Gesundheit!

An diesem Abend geht es um die Zusammenhänge zwischen Markt, Macht und Männlichkeit ausloten. Wir werden Beobachtungen aus der Perspektive der Kunst und aktueller empirischer Forschung zusammenbringen und die Konsequenzen neoliberaler Gewinnmentalität hinsichtlich der damit verbundenen gesellschaftlichen Konfliktfelder und der Auswirkungen auf die einzelnen Akteure beleuchten.

Der Abend wird eröffnet mit einer szenischen Lesung von Texten von Kathrin Röggla, die vom Theater Basel eingerichtet wird.
Schauspieler*innen: Isabelle Menke und Mario Fuchs
Einrichtung der Lesung: Selina Peter

Es diskutieren:
Kathrin Röggla (Autorin und Vize-Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin)
Stefan Leins (Juniorprofessor in Ethnologie an der Universität Konstanz)
Anika Thym (Wirtschaftswissenschaften, Gender Studies & Soziologie, G3S, Universität Basel)
Moderation: Andrea Zimmermann (Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Zentrum Gender Studies der Universität Basel und Mitbegründerin und Kuratorin der Veranstaltungsreihe The Art of Intervention)

Die Veranstaltung ist kostenlos.

Postcapitalist Flow (Neo)koloniale Verstrickungen und
Konturen einer Gesellschaft jenseits globaler Ausbeutung
26. März, 18.15-20.00 Uhr, Kunstmuseum Gegenwart

ACHTUNG: DIE VERANSTALTUNG WURDE LEIDER ABGESAGT!
Falls möglich, werden wir die Veranstaltung nachholen. Wir werden hier zu gegebener Zeit informieren. Wir wünschen euch alle eine gute Gesundheit!

Zwar sehen immer mehr Menschen den Kapitalismus als Ursache und nicht als Lösung der grossen Krisen des 21. Jahrhunderts, doch die Frage nach konkreten Alternativen scheint schwierig zu beantworten. Ausgehend von der Analyse globaler und neokolonialer Ausbeutungsstrukturen und intersektionaler Ungleichheiten wagen wir es in dem Panel, eine andere Ökonomie und eine solidarische Lebensweise, hin zu einer demokratischen, sorgsamen und bedürfnisorientierten Gesellschaft, zu denken.

Es diskutieren:
Friederike Habermann (freie Wissenschaftlerin & Aktivistin, Berlin)
Andreas Siekmann (Künstler, Berlin)
Mira Koch (Sozialanthropologie und Projektleiterin bei Cooperaxion, Bern)
Tina Bopp (Sozialwissenschaften, G3S, Basel)
Moderation: Sarah Schilliger (Soziologie, Bern/ Fribourg)
In Kooperation mit Art of Intervention und dem Doktoratsprogramm G3S (Graduate School of Social Science).

Die Veranstaltung ist kostenlos.

Eine Kooperation des Kunstmuseum Basel mit Art of Intervention und dem Doktoratsprogramm G3S (Graduate School of Social Science), Universität Basel. Hier geht es zum Programm und weiteren Veranstaltungen im Überblick (PDF).


Bild: Richard Mosse, Grid (Moria), 2016-2017, 16 channel video installation. © Courtesy the artist

Art and Politics, Empfehlung, Veranstaltung / Event

Empfehlung: Tropenliebe im Theater Basel

Gleich dreifach lockt das Theater Basel diesen Winter mit Denkfutter:

Mit Wiederauferstehung der Vögel befasst sich der Regiesseur Thiemo Strutzenberger, mit dem Buch Tropenliebe von Bernhard C. Schär, welches sich mit Fritz und Paul Sarasin, zwei Basler Patriziersöhnen die vor ungefähr hundert Jahren zusammen die Welt bereisten und viel zur Sammlung des Museums der Kulturen Basel beitrugen.

„Es ist der Versuch, in der privaten Lebensgeschichte der beiden Basler Grosscousins nach den Bedingungen und Konsequenzen ihrer imperialen Verstrickung zu suchen, ihr Leben mit einer Geschichte des Geldes, des Wissens, der Herrschaft und der Gewalt in Verbindung zu bringen“ – Thiemo Strutzenberger

Stimmen aus einer archivierten Stille (bis Mai 2020) ist eine dazu gehörende Rechercheausstellung zur Basler Kolonialgeschichte, basierend auf Schärs Buch. Die beiden Ausstellungsmacherinnen Vera Ryser und Sally Schonfeldt begaben sich in den Basler Archiven auf die Suche nach dem Erbe der beiden Naturforscher. Zusammen mit Künstler_innen aus Sri Lanka und Indonesien ist ein alternatives Archiv entstanden, das den Blickwinkel der Herkunftsländer miteinbezieht und einen erweiterten Interpretationsraum für die damals entstandenen Forschungsergebnisse eröffnet.

Schliesslich findet zudem noch eine Diskussionsreihe zur Thematik statt. Die nächste befasst sich mit der Frage, Wie werden rassistische Denkweisen tradiert?. Es diskutieren:
Tarek Naguib, Jurist mit Schwerpunkt Diskriminierungsschutz
Ruveni Wijesekera, Case Managerin Schweizerisches Roten Kreuz SRK
Bernhard C. Schär, Historiker ETH Zürich und Autor der Studie «Tropenliebe»
Moderation: Serena Owusua Dankwa, Sozialanthropologin und Geschlechterforscherin

Hier finden Sie das Porgramm (PDF).

Symbolbild von Pixabay.

Art and Politics, Veranstaltung / Event

Die schönste Liebe ist die unerfüllte

Es geht weiter mit der nächsten Veranstaltung von GRRRLS GRRRLS GRRRLS und diesmal geht es um Liebe. Anna Gien, Schriftstellerin, und Fleur Weibel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum Gender Studies, führen ein Gespräch über die Liebe und ihre vielfältigen und oftmals widersprüchlichen Bedeutungen in Zeiten von Tinder, cooler Unverbindlichkeit sowie von romantischen weissen Hochzeiten und grossen Liebesversprechen.
Moderation: Dominique Grisard.

Wann: Donnerstag, 12.12.2019, 20 Uhr. Wo: Monkey Bar, Theater Basel.

Bild: grrrls grrrls grrrls. © Theater Basel

Art and Politics

Männerwelt

Frauen sind in der Schweizer Musik untervertreten. Zahlen gibt es aber kaum. Um die Schieflage zu verstehen und zu verändern braucht es eine Studie. Ein Bericht von Andrea Zimmermann:

Auf dem Weg zu mehr
Geschlechtergerechtigkeit

Das Ergebnis der 2018 vom Popförder- und Musiknetzwerk RFV veröffentlichten Vorstudie «Frauenanteil in Basler Bands» war ernüchternd: Nur 10% der knapp 3000 aktiven Musiker*innen in Basler Bands sind weiblich*. Diese Situation entspricht nicht nur einer Momentaufnahme. Seit 10 Jahren ist die Basler Popmusik fest in männlicher Musikerhand […].

Um die derzeitige Situation, ihre Ursachen und Zusammenhänge besser zu verstehen, braucht es [aber] mehr als das Zusammentragen statistischer Daten. Es gilt darüber hinaus, den verschiedenen Akteur*innen aufmerksam zuzuhören, um mehr über jene Momente ihrer Biografie zu erfahren, an denen wichtige Entscheidungen pro oder contra Karriere gefällt werden und um aufzuschlüsseln, was zu Erfolg oder Misserfolg beiträgt. Ohne diese biographische Perspektive würde die Analyse zu kurz greifen. Dies möchte ich im Folgenden anhand des Beispiels vom Gender Pay Gap verdeutlichen. Hier weiterlesen.



Mehr zum Thema am 29 Oktober um 9:02 Uhr auf Radio SRF 2 Kultur mit Mona Somm und Andrea Zimmermann:

#MeToo in der Klassikwelt

Als Teil eines grossen Gefüges aus Macht und Abhängigkeiten sind sexuelle Übergriffe – von Belästigung bis Missbrauch – auch in der Szene der klassischen Musik Thema. Die Problematik ist vielschichtig, die Gemengelage verzwickt, eindeutige Schuldzuweisungen nicht immer möglich. Hier mehr erfahren.


Foto von Pixabay.

Art and Politics, Veranstaltung / Event

News: Progrrramm Herbst 2019

GRRRLS GRRRLS GRRRLS. Eine Reihe mit Basler Bräuten und ihren Geschwistern

Zum ersten Mal streikten die Schweizer Frauen 1991, der zweite Frauenstreik fand 2019 statt. Die einzelnen Forderungen mögen in den jeweiligen Jahren etwas variiert haben, dennoch ist die Grundaussage identisch: Wir stehen nicht mehr zur Verfügung.
Frauen wollen nicht mehr ungefragt zur Verfügung stehen, nicht dafür, ihre Zeit auf die alleinige Erledigung der Hausarbeit und Kindererziehung zu verwenden, damit ihr Partner auch mit Familie seiner Karriere nachgehen kann; nicht dafür, gleiche Arbeit für weniger Gehalt zu verrichten; nicht dafür, einen Mann sexuell zu befriedigen, ohne den Anspruch auf die eigene Befriedigung zu erheben; nicht dafür, sich zu Objekten degradieren zu lassen, nicht für den Profit der Schönheits- und Sexindustrie.

Dass sich Frauen aktiv den ihnen auferlegten «Pflichten» entziehen, dass die #MeToo-Debatte massenwirksam den Machtmissbrauch von Männern thematisiert, der lange verschwiegen, weggelächelt oder bagatellisiert wurde, sind aktuelle Fortschritte in der Reihe von Errungenschaften während der nunmehr über hundert Jahre bestehenden Frauenbewegung. Trotz der – auch von vielen Männern – gesellschaftlich eingeforderten und formal bestehenden Gleichberechtigung sind patriarchale Machtstrukturen jedoch keineswegs gänzlich überwunden. Betrachtet man zudem die Selbstinszenierung vieler junger Menschen auf Social Media, wo Männer ihre Stärke und Frauen ihre Schönheit ausstellen, kann man kaum glauben, dass wir uns bereits in der dritten Welle des Feminismus befinden.

Die interdisziplinäre Reihe grrrls grrrls grrrls möchte mit unterschiedlichsten künstlerischen Formaten und im engen Austausch mit dem aktuellen wissenschaftlichen Diskurs die Frage stellen: Wie gleichberechtigt sind wir heute tatsächlich? Dazu gehört eine Rückschau der Regisseurin Katrin Hammerl auf die Arbeit der Schweizer Frauenrechtlerin Iris von Roten genauso wie die Erforschung des Modebegriffs «toxische Männlichkeit» durch den jungen Regisseur Matthias Köhler. Denn ja – die mittlerweile legendäre Monkey Bar, die sich aktuell unter weiblicher Leitung und in einem neuen Gewand von Frederik C. Schweizer präsentiert, öffnet ihre Türen für alle, auch für Sie und Ihre Perspektiven.

Bei all dem ist der Titel der Reihe grrrls grrrls grrrls, angelehnt an die feministische Punkszene in den USA zu Beginn der 1990er-Jahre, natürlich immer auch Programm. Denn, um es mit den Worten von Laurel Gilbert zu sagen: «Grrrl bringt das Knurren zurück in unsere Miezekatzenkehlen. Grrrl zielt darauf, die ungezogenen, selbstsicheren und neugierigen Zehnjährigen in uns wieder aufzuwecken, die wir waren, bevor uns die Gesellschaft klarmachte, dass es Zeit sei, nicht mehr laut zu sein und Jungs zu spielen, sondern sich darauf zu konzentrieren, ein ‹girl› zu werden, das heisst eine anständige Lady, die die Jungs später mögen würden.»

Eine Kooperation von Theater Basel, Zentrum Gender Studies, FHNW und Art of Intervention.

Alle Veranstaltungen im Überblick
Veranstaltungsort: Monkey Bar, Klosterberg 6, 4051 Basel

23. Oktober, 20 Uhr: Antigone, Desdemona und Hedda.
Repräsentation von Weiblichkeit auf der Bühne. Ein Gespräch mit Dr. Andrea Zimmermann und Darja Stocker. Spielplan Theater Basel (URL)
25. Oktober, 21 Uhr: Projekt Schooriiil – Klimawandel
Von und mit Anne Haug, Melanie Schmidli und Kai Wido Meyer (Video). Spielplan Theater Basel (URL)
14. November, 20 Uhr: Männlichkeit – am Ende ihrer Performance?
Gespräch mit Matthias Luterbach, Matthias Köhler und Jonas Gillmann (Moderation Andrea Zimmermann). Spielplan Theater BAsel (URL)
22. November, 22 Uhr: Masculinity Fragility
Textfassung und Inszenierung von Matthias Köhler. Spielplan Theater Basel (URL)
12. Dezember: „Die schönste Liebe ist die unerfüllte“
Gespräch mit Anna Gien und Fleur Weibel (Moderation Dominique Grisard).

Weitere empfehlenswerte Premieren am Theater Basel diesen Herbst

18. Oktober: Hundert Jahre weinen oder hundert Bomben werfen (Uraufführung)
Geschichte eines Verdingbubs und Fremdenlegionärs. Schauspiel von Darja Stocker und Mohamedali Ltaief. Spielplan Theater Basel (URL)
16. November: In den Gärten oder Lysistatra Teil 2 (Uraussführung)
Fortsetzung des antiken Stücks Lysistrata. Schauspiel von Sibylle Berg nach Aristophanes. Spielplan Theater Basel (URL)


Bild: grrrls grrrls grrrls. © Theater Basel

Art and Politics, Veranstaltung / Event

Publikumsgespräch «WE BODIES»

WE BODIES ist eine Tanz-Performance, welche auf  Körperprojektionen aufmerksam macht und durch das Motiv des Monsters eine kritische Begegnung mit Normen und Körperpraxen zulässt. Im Publikumsgespräch mit den PerformerInnen erfahren wir deren Gedanken, Arbeitsweise und Ideen zu ihrer Performance.

Dominique Grisard von The Art of Intervention moderiert das Publikumsgespräch. Bei der kurzen Vorstellungsrunde wird bekannt, dass Michael Turinsky, Teresa Vittucci und Claire Vivianne Sobottke alle als ChoreografInnen und PerformerInnen in Wien tätig sind. Tian Rotteveel, welcher die Musik des Stücks gemacht hat, stellt sich als Bewegungskünstler und Tanzmacher vor.

Das Publikumsgespräch wird mit der Frage zur Arbeit mit dem Monströsen eröffnet.  Die PerformerInnen erzählen, wie das Monster als Figur erst im Verlauf des Probenprozesses Form angenommen hat. Erst später haben sie dazu recherchiert. Die Thematik ist aus einer Kollaboration aus drei Menschen entstanden mit unterschiedlichen Zugängen zu diesen Fragen und zum Monster. Besonders reizt sie an der Thematik, dass das Monster nicht kategorisierbar ist, „the monster always escapes“. Das Monster ist „das Undenkbare“ und daher performativ eine interessante Figur. Es entzieht sich den Dualismen Tier/Mensch und Frau/Mann, womit es Identität aufbrechen kann. Durch seine Differenzen und Kuriositäten stellt das Monster die Konstruktion der Realität in Frage. Es hat eine bestimmte Art der Artikulation von Affekt und Lust, die über den normierten Ausdruck hinausschiesst. Es geht nicht darum sich zusammenzureissen, sondern über die Normierung und Regulierung hinauszugehen. Dies hat mit Monstrosität und mit diversen Körpern zu tun, die das Ideal der wohlgeordneten Regulation sprengen. Das Monster, das nicht nur Dualismen aufhebt sondern auch alles beinhaltet, hat eine gewisse Narrenfreiheit, Leute in ihrer konstruierten Vorstellung von Norm zu konfrontieren, den Spiegel vorzuhalten und zu erschrecken.

Grisard stellte daraufhin die Frage, ob es das Ziel der Performer*innen gewesen sei, die Anforderungen an die Souveränität des Körpers zu hinterfragen oder gar aufzulösen. Für die PerformerInnen liess sich dies nicht eindeutig beantworten. Denn sie wollten Sachen zeigen mit denen sie sich in der Gesellschaft stossen. Es gehe ihnen nicht darum mit bestimmten Szenen spezifische Mitteilungen zu machen, sondern vielmehr darum, sichtbar zu machen, wie sie zusammen arbeiten. Der Prozess der Zusammenarbeit hat vor fünf Jahren begonnen, als sie sich zuerst viel mit Intimität befasst haben und damit, was es für ihre drei doch sehr unterschiedlich wahrgenommenen Körper bedeutet. Im Fokus steht die Projektion, welche auf ihre Körper gelegt wird. Teresa wird beispielsweise im Tanzkontext oft als ‚fett‘ bezeichnet, womit viele Konnotationen einhergehen wie faul, kann sich nicht kontrollieren, schüchtern, gut im Bett und gute Blowjobs. Diese Projektionen wirken auch auf die eigene Wahrnehmung von Person und Körper ein und fliessen in den Umgang mit Anderen ein. Michaels Körper wird wiederum assoziiert mit geistig behindert, pervers und infantil. Sich diesen Projektionen zu stellen und mit denen zu arbeiten bezeichnen sie als Exorzismen, die Projektionen werden zurückgeschossen.

Die eigenen, ja intimsten Wünsche sind häufig verwoben mit dem, was von aussen an Bildern tagtäglich an einen herangetragen wird.

Sie geben in ihrer Performance Souveränität also nicht auf, sondern spielen mit Fantasien, Wünschen und Bildern, die verwoben sind mit diesen Projektionen. Die eigenen, ja intimsten Wünsche sind häufig verwoben mit dem, was von aussen an Bildern tagtäglich an einen herangetragen wird. Die Performance kann als Spiel verstanden werden mit diesen im Körper abgelagerten Schichten, als Momentaufnahme und Reflektion der Verwobenheit von Körper und Gesellschaft.

Gesprächsstoff liefert auch die Rolle der Musik. Während ein eingängiges Stück seit fünf Jahren Requisit und Architektur der Performance darstellt, ist die restliche Musik erst spät entstanden. Denn erst drei Monate vor der Uraufführung stiess der Musiker Tian Rotteveel zur Truppe. Im Gespräch erklärt er, dass es ihm darum ging, mit seiner Musik die Exorzismen zu betonen und die bewegenden Körper zu dezentrieren. Die Bewegungsprozesse werden stimuliert und die sich ständig wandelnden Rhythmen geben eine pulsierende Energie. Durch die Mikrotonalität dekonstruierte er die klassische Idee von Schönheit der Musik. 

Gesprächsteilnehmende im Publikum waren von der Langsamkeit am Anfang des Stücks fasziniert. Tatsächlich war für die PerformerInnen die unterschiedlichen Tempi zwischen langsam und schnell zentral. Langsamkeit funktioniert als Statement an sich. Sie wollten damit aber auch zeigen, wie unterschiedlich jeder Körper getaktet ist. Gleichzeitig hat der langsame und einleitende Anfang pragmatische Gründe, denn Michael könnte gar nicht eine Stunde durchpreschen.

Bei der Arbeit mit unterschiedlichen Körpern muss eine gemeinsame Zeitlichkeit konstruiert werden. Beispielsweise mussten die PerformerInnen sich damit konfrontieren, wie sie sich zusammen aufwärmen, wobei sie auf die Practice fast and slow gestossen sind. Dabei werden Dinge schneller gemacht als man denkt, oder viel langsamer. Dabei wird Langsamkeit innerlich sehr schnell erlebt, es gibt ganz viele innerliche und äusserliche Impulse und Gedanken.

Micheal arbeitet mit diesen Projektionen, welche durch das Publikum auf seinen Körper gemacht werden. Er erzählt von einer Praxis, die er unterrichtet, das «crip vogueing». Dabei werden Bilder von der Modefotografie durch Minoritäten angeeignet. Herkömmliches Vogueing ist bekanntlich eine extrem schnelle Art zu tanzen, Michael will so die Praxis für andere Körperlichkeiten öffnen und interessiert sich dafür, wie sich diese verändert, wenn sie mit anderer Gelenkartikulation und Raumebenen praktiziert wird. Seine «crip» Aneignung des Vogueing ist humor- und lustvoll und birgt das Potential einer Intervention in herkömmliche Performance-Praktiken.

Das Gespräch bot einen ausführlichen Einblick in die Hintergründe und Ideen zu der aufreibenden Performance, an welche mit diesem neuen Wissen aus anderen Perspektiven erinnert werden kann. Lasst uns Monströses zelebrieren!

Text von Andrina Imboden.

Foto: We Bodies. © Anna Breit.