Kunst, Veranstaltung

«in seiner Struktur transparent und lichtdurchflutet»

Von Maja Wismer. Dieser Beitrag ist Teil der Reihe «5 Fragen an die bildende Kunst».

1. Gehört Dein Körper ins Museum?
Familiär bedingt bin ich sprichwörtlich im Museum aufgewachsen, zumindest an den Wochenenden. Museen als Orte und «[…] als Hüter gekaufter, geliehener, geschenkter und gestohlener Kunstwerke; […]; als Institutionen der Schönheit, der Verletzungen, der Wirren und der Inspiration» sind für mich wirklich Orte wie Ruth Buchanan in ihrem Essay zur Ausstellung «Heute Nacht geträumt» weiter schreibt,

die eine*n die komplexe Erfahrung fühlen [lassen], in dieser Welt Mensch zu sein und gleichzeitig Teil des Systems, das eben diese Welt formt.»

Insofern, ja: mein Körper gehört ins Museum – genauso wie er zur Welt ‹draussen› gehört.

2. Was hat Dich an Ruth Buchanans Anders- und Neudenken des Kunstmuseums und seiner Sammlung interessiert?
Die Einladung an Ruth erfolgte im Wissen darum, dass sie in ihrer umfassenden Arbeitsweise mit Mitteln zwischen Kunst und Design hochaktuelle diskursive Ansätze als physisches Material begreift und daran arbeitet, Forderungen wie jene nach Diversität und Gleichberechtigung in Ihre Werke mit einzubeziehen. Sie möchte strukturelle Machtverhältnisse räumlich erfahrbar machen.

3. Was hat Dich überrascht, war unerwartet, bei Deiner Beschäftigung mit dem Kunstmuseum und seiner Geschichte?
Es reicht nicht, dass Frauen in Leitungsfunktionen sind, um Sammlungspolitik zumindest aus Gendersicht diverser zu betreiben. Museen sind historisch gesehen bürgerliche Sphären des Ein- und Ausschlusses. Neben mehr Diversität in der Anstellungspolitik, braucht es möglichst breit getragene, gezielte Massnahmen, diesen Ausschlüssen kritisch zu begegnen. Wie können machtkritische Fragen an die bestehende Sammlung herangetragen und auch vermittelt werden? Was braucht es, um ein breiteres, jüngeres Publikum anzusprechen und miteinzubeziehen? Das sind Fragen, die wir heute in der Programmierung immer bedenken. Lösungsansätze sind ganz unterschiedlich. Ich freue mich vor allem, dass ‹verkomplizierende› Fragen heute erwartet werden; in erster Linie vom Publikum.

Ruth Buchanan in der Ausstellung «Heute Nacht geträumt» am Kunstmuseum Basel I Gegenwart, März 2022. ©Photo: Xandra M. Linsin.

4. Welche Geschichte(n) erzählt Ruth Buchanan über das Kunstmuseum Gegenwart?
Eine ganze Reihe von Geschichten: Eine, in der das Gebäude die Protagonistin ist; eine, in der Werke aus der Sammlung die Hauptrollen einnehmen; eine, in der der Museumsalltag greifbar wird; eine, in der Basel als globale Akteurin auftaucht und einige mehr.

5. Wie sieht das Kunstmuseum Gegenwart Deiner Träume aus?
Ich glaube, es ist ein durchaus wechselnder Ort. Aktuell sieht es aus, wie in Szene gesetzt durch «Heute Nacht geträumt. Eine Ausstellung von Ruth Buchanan»: Voller Kunst, mit viel Violett, in seiner Struktur transparent, lichtdurchflutet, offen und freundlich.

Maja Wismer ist Leiterin für Kunst ab 1960 und Gegenwartskunst am Kunstmuseum Basel. Sie hat die Ausstellung «Heute Nacht geträumt» von Ruth Buchanan kuratiert.


Bild: Ausstellungsansicht „Heute Nacht geträumt“ (Ausschnitt). ©Kunstmuseum Basel, fotografiert von Jonas Hänggi.

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