Art and Politics, Veranstaltung / Event

Eindrücke unserer letzten Veranstaltung

Unsere erste Live-Veranstaltung seit Ausbruch der Corona-Pandemie widmete sich in Form eines Roundtables dem Thema Anti-Schwarzer Rassismus. Hier ein paar Eindrücke von diesem spannenden Abend mit Vanessa E. Thompson, Claudia Wilopo, Serena O. Dankwa, Mohomodou Houssouba, Dominique Grisard und Andrea Zimmermann in der Kaserne Basel.


Bilder: Eindrücke des Abends. © Privat.

Art and Politics, Veranstaltung / Event

Roundtable: Anti-Schwarzer Rassismus

Mit grosser Freude kündigen wir folgende Veranstaltung zusammen mit der Kaserne Basel an:

Anti-Schwarzer Rassismus: Kontrollierte Körper, überwachte Mobilität und die Kunst der Intervention. Ein Gespräch mit Vanessa Thompson, Claudia Wilopo, Mohomodou Houssouba, Serena Dankwa (Moderation)

Wessen Körper bewegen sich nahtlos über Grenzen hinweg und wessen Körper werden systematisch angehalten, kontrolliert und überwacht? Wem wird Subjektstatus gewährt, und wer wird methodisch mit handelbaren Gütern verglichen, die im Hinblick auf den sozialen und wirtschaftlichen Wert, der aus ihnen gewonnen werden kann, gedacht werden?

Dieser Austausch im Rahmen eines Roundtables zielt darauf ab, die Körper- und Bewegungspolitiken in ihrem Verhältnis zur Kolonialgeschichte, zu rassifiziertem Kapitalismus und Warenrassismus zu sezieren.

Im Einklang mit dem internationalen Jahrzehnt für Menschen afrikanischer Abstammung werden wir uns auf Manifestationen von institutionellem Rassismus konzentrieren – von wirtschaftlicher Diskriminierung und Bildungsunterschieden bis hin zu rassistischen (Polizei-)Kontrollen sowie auf verschiedene Formen des Othering und der S/Exotisierung, die sich insbesondere auf das Alltagsleben Schwarzer Menschen auswirken. Wir werden die Frage stellen, wie Erfahrungen des alltäglichen, gegen Schwarze gerichteten Rassismus Teil der Politiken der Körper und der Mobilität sind und auf welche Weise sie durch Geschlecht, Sexualität, Klasse, Nation und Hautfarbe sowohl historisch als auch in der heutigen, zunehmend visuellen Kultur beeinflusst werden. Schliesslich werden wir uns mit den Möglichkeiten und Grenzen der Kunst als Intervention in den strukturellen Rassismus in der Schweiz und darüber hinaus befassen.

Wann: 9. September 2020, 20 Uhr
Wo: Rossstall II, Kaserne Basel
Eintritt Frei

Vanessa E. Thompson ist Postdoc-Forscherin in Vergleichender Kultur- und Sozialanthropologie an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Deutschland. Sie erforscht die Überwachung und gewaltvolle Kontrolle mit der Schwarze Menschen in Europa konfrontiert sind sowie transnationale, abolitionistische Formen des Widerstands. Vanessa engagiert sich in diesen Bereichen auch als Aktivistin. Ihre Forschungsinteressen umfassen Black Studies, kritische Rassismus- und Migrationsforschung, post- und dekoloniale feministische Theorien und Methoden, Gender Studies und Theorien der transformativen Gerechtigkeit.

Claudia Wilopo ist Doktorandin im Departement für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie und Mitglied der Graduate School of Social Sciences an der Universität Basel. Ihr Forschungsprojekt zu Illegalität in der Stadt Zürich konzentriert sich darauf, wie abgelehnte Asylbewerber*innen unser Verständnis von Staatsbürger*innenschaft, Grenzen und Nationalstaaten in Frage stellen. Claudia ist Teil einer kooperativen Forschungsgruppe zu Racial Profiling in der Schweiz.

Serena O. Dankwa hat an der Universität Bern promoviert und forscht zu kritischer Diversity-Kompetenz (Critical Diversity Literacy) durch Kunst und weiterführende Bildung an der Professur Weiterbildung und Erwachsenenbildung der Fachhochschule Nordwestschweiz, FHNW. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit war sie bei der Fachstelle Frauenhandeln und Frauenmigration FIZ tätig und hat als Journalistin bei BBC Radio 3 und Schweizer Radio und Fernsehen gearbeitet. Sie ist die Mitherausgeberin von Racial Profiling: Struktureller Rassismus und antirassistischer Widerstand (transcript 2019).

Mohomodou Houssouba ist Schriftsteller und Sprachwissenschaftler aus Mali. Er promovierte in Afroamerikastudien. In seiner Dissertation Teaching the Diaspora: Beyond Identity Politics untersuchte er die ambivalente Position der Lehrenden von Kursen in Minderheitenstudien und die Herausforderung, kritisches Denken in Bezug auf emotional aufgeladene Dokumente wie Sklav*innennarrative und Biografien von Bürgerrechtsaktivisten*innen aufrechtzuerhalten. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit koordiniert er ein Langzeitwörterbuch und Digitalisierungsprojekt für die Songhai-Sprachen.

Mit freundlicher Unterstützung von Swiss Center of Social Research, Graduate School of Social Sciences (Universität Basel), interuniversitäres Doktoratsprogramms Gender Studies CH.

Bild: Black Lives Matter-Demonstration, Symbolbild. Quelle: Pixabay

Art and Politics, Veranstaltung / Event

HEUTE ABEND: Podium (Post-)Pandemic Flow (online)

Heute, Donnerstag, dem 16.7.2020, findet um 18:15 Uhr das Podium (Post-)Pandemic Flow, die Abschlussveranstaltung zur Ausstellung Circular Flow im Kunstmuseum Basel | Gegenwart, via zoom statt.

Die COVID-19-Pandemie stellt aktuell kapitalistische Strukturen auf den Prüfstand: Intersektionale Ungleichheiten treten deutlicher zutage, gleichzeitig formieren sich solidarische Initiativen, die eventuell als Modelle für alternative Lebensweisen dienen können. Die Ausstellung Circular Flow thematisiert Prinzipien des Ökonomischen in Zeiten der Globalisierung und welche sozialen, ökologischen und politischen Konsequenzen sich daraus ergeben – Fragen, die sich aktuell mit grösster Dringlichkeit stellen. Im Gespräch reflektieren wir die letzten Monate und diskutieren, welche Rolle die Kunst in dieser Situation einnehmen kann und inwieweit sie die Möglichkeit bietet, der Pandemie von einer anderen Perspektive aus gegenüberzutreten.

Zur Teilnahme via Zoom (aktiv ab 18.15 Uhr):
https://unibas.zoom.us/j/97643818832?pwd=OHpFTkNBV29NaHd4SUFGajl6SGVodz09
Passwort: flow

Es diskutieren: 
Friederike Habermann (freie Wissenschaftlerin & Aktivistin, Berlin)
Søren Grammel (Kurator der Ausstellung, Leiter Kunst ab 1960 / Gegenwartskunst Kunstmuseum Basel),
Andreas Siekmann (Künstler, Berlin)
Moderation: Andrea Zimmermann (The Art of Intervention, Gender Studies, Universität Basel)

Friederike Habermann ist Aktivistin und freie Akademikerin und lebt in Berlin. Sie hat in Politikwissenschaften promoviert. Ihr Interesse gilt dem Verwobensein von Ökonomie und Herrschaftsverhältnissen, emanzipatorischen globalen Bewegungen sowie nichtkapitalistischem Wirtschaften. Jüngste Publikation: Ausgetauscht! Warum gutes Leben für alle tauschlogikfrei sein muss (2018).

Søren Grammel leitet seit 2013 die Abteilung Kunst ab 1960 / Gegenwartskunst am Kunstmuseum Basel. Zuvor arbeitete er u. a. als Direktor des Kölnischen Kunstvereins, als Direktor des Grazer Kunstvereins oder als künstlerischer Leiter der Videonale 9 in Bonn. Ein wiederkehrendes Motiv seiner Ausstellungen ist die Verknüpfung künstlerischer Diskurse mit gesellschaftlichen Fragestellungen wie aktuell in der Ausstellung Circular Flow. Zur Ökonomie der Ungleichheit.

Der Künstler Andreas Siekmann lebt in Berlin und beschäftigt sich in seinen Werken mit der Ökonomisierung und Privatisierung von öffentlichem Eigentum. Er zeigt in der aktuellen Ausstellung Circular Flow ein Archiv zur Monopolisierung von Saatgut.

Andrea Zimmermann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Zentrum Gender Studies der Universität Basel. Sie leitet verschiedene Forschungsprojekte und koordiniert das interuniversitäre Doktoratsprogramm Gender Studies CH. Gemeinsam mit Dominique Grisard ist sie Kuratorin der Veranstaltungsreihe The Art of Intervention.



Bild: Lisa Rave, Europium, 2014, Film HD color and b/w, 20 min., Filmstill. © Courtesy the artist

Art and Politics, Exhibition reviews

Eine Konfrontation mit privilegierten Positionen

Gedanken zu Richard Mosses Grid in der Ausstellung Circular Flow im Kunstmuseum Basel | Gegenwart.

Beim Eintreten in die grosse, helle Eingangshalle des Kunstmuseums Basel | Gegenwart fallen mir die schwarz-weissen Bilder der Videoinstallation von Richard Mosse sofort auf, sie ziehen meinen Blick an und ich nähere mich den sechszehn grossformatigen Flachbildschirmen, die wechselnd dieselben Aufnahmen zeigen. Aus der Beobachtungsperspektive bieten die Bildschirme einen Blick auf das Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos. Unwohl, bedrückt, wütend, nehme ich wahr, wo ich stehe, was ich sehe und welche Perspektive ich dabei einnehme. Die Videoinstallation nimmt viel Raum ein, wirkt fesselnd auf mich, durch die ruckartig nach rechts ziehenden Bilder, von Bildschirm zu Bildschirm.

Richard Mosse, Grid (Moria), 2016-2017, 16 channel video installation. © Courtesy the artist

Mosses Werk zeigt Filmmaterial aus seinem mehrjährigen Aufenthalt auf Lesbos, wo er mit einer Überwachungs- und Wärmebildkamera das „Flüchtlingslager“ Moria filmte. Aufnahmen die es kaum erlauben, Gesichter zu erkennen, Aufnahmen, die ein Stück Persönlichkeit wegnehmen: „Dabei werden die Gefilmten nicht als Individuen wahrgenommen, sondern lediglich als zum Thermobild geronnene Abstraktion“[1], wie im Saal-Text zu lesen ist. In diesen entmenschlichten Bildern auf den sechszehn Flachbildschirmen wird „unsere“ Geschichte – geprägt von Imperialismus, Nationalismus, Kolonialismus und Sklaverei und Ausbeutung – sichtbar. Sie zeigt sich in den schwarz-weissen Aufnahmen, die mit Stacheldraht abgezäunte „Lager“, in denen sich bis zu dreimal so viele Menschen in Räumen bewegen als für die es eigentlich gebaut wurde. In der abstrakten Darstellung der Menschen, die nicht mehr als Individuen wahrgenommen werden, sondern als fremde bedrohende Masse inszeniert werden.

Die Perspektive des:der Betrachter:in übergeht fliessend in die des:der Überwacher:in. Eine Perspektive, welche die meisten Menschen aus West-Europa genauso gut durch die Medien kennen. Eine Distanz entsteht zwischen hier und dort, „uns“ und „den Andern“. Eine Distanz, die durch bemitleidende Worte und spezifisch ausgewählte Bilder der Medien – ich erinnere an die Flut von Fotos überfüllter „Schlepperboote“ sowie die kürzlich erschienenen Dokumentationen der Zustände an den europäischen Aussengrenzen – noch verstärkt wird. Doch wer sind „die Andern“? In Mosses Videoinstallation sind es die Menschen in Moria. Ein Schauen auf „die Andern“, wie es bei „denen“ aussieht, wie es „denen“ geht, mit dem beruhigenden Wissen, dass bei „uns“ alles gut sein wird. Worte aus privilegierten Mündern, Gedanken aus privilegierten Köpfen, die sich nicht um ihre Existenz sorgen müssen.

Die kritische Selbstperspektive, die Mosse durch sein Werk hervorzurufen versucht, bringt die betrachtenden Museumsbesuchenden in eine unangenehme Situation, er fordert sie auf, sich mit ihrer Position auseinanderzusetzten, diese zu reflektieren und zu erkennen. Eine Konfrontation, die nicht da ist, um das schlechte Gewissen zu kitzeln, sondern als Anregung gesehen werden sollte, die aktuellen Hierarchien und Machtverhältnisse zu erkennen und zu hinterfragen, die eigenen Privilegien zu reflektieren, sich möglicherweise gar Gedanken darüber zu machen, wie ein Zusammenleben anders aussehen könnte. Was wäre, wenn eine Welt ohne Grenzen und (Bewegungs-)Freiheit für Alle nicht als utopische Zukunftsfantasie belächelt, sondern als entscheidender Schritt ernst genommen würde, um die globale Ökonomie der Ungleichheit auszuhebeln?

Wenn ich mir das Kunstwerk von Mosse anschaue, dann löst das in mir Wut, Ekel, Trauer und Hilflosigkeit aus. Ich frage mich, wo uns die Veränderungen der Vergangenheit hingebracht haben. Sind wir je weggekommen von menschenverachtenden Verhältnissen, von Sklaverei und Kolonialismus? Wie kann ich meine Wut ‘produktiv’ nutzen, um in diese historischen Ungleichheitsverhältnisse, die unsere Gesellschaft, unser Verhalten und Handeln bis heute so strak prägen, zu intervenieren?

Ein zentraler Schritt dabei ist die Wut, welche diese Ungerechtigkeiten in mir auslösen, anzuerkennen, sie auf- und umzuarbeiten, sodass daraus die Kraft und Motivation entsteht, mich mit den hegemonialen Strukturen tiefgreifend auseinanderzusetzten. Anstelle die Wut nach innen zu richten und daraus in eine Art Resignation zu fallen, die Wut nach aussen zu tragen, umgeformt in Kritik an den aktuellen Verhältnissen, diese ansprechen und thematisieren, laut, bestimmt und berührt, sodass diese nicht weiter ignoriert werden können. Statt dass die Konfrontation mit meinen Privilegien mich handlungsunfähig macht, meine Privilegien nutzen, um die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt, von denen ich nicht betroffen bin zu benennen, anzuerkennen und dafür zu kämpfen diese zu verändern. Die Wut wird so zum Motor, mich den Ungerechtigkeiten zu stellen, diese genauer zu betrachten und mich dabei zu fragen, was ich mit meinen Mitteln tun kann, um diese nicht weiter zu reproduzieren.

Denn ich sehe diese Bilder, wie sich die Machtverhältnisse in ihnen spiegeln, wie eine Welt gezeigt wird, in der nicht jedes Menschenleben gleich viel Wert hat und nicht jeder Mord als gleich tragisch gesehen wird.

Und wir schauen zu.

Sind Teil davon.


Text von Mara Ursprung.

Bild: Richard Mosse, Grid (Moria), 2016-2017, 16 channel video installation. © Courtesy the artist


[1] Saaltext zu Grid von Richard Mosse, Circular Flow. Zur Ökonomie der Ungleichheit, Kunstmuseum Basel Gegenwart, 2020.

Politics

Black Lives Matter: Wie steht es um Rassismus in der Schweiz?

Seit der Afroamerikaner George Floyd am 25. Mai 2020 durch brutale Polizeigewalt in Minneapolis ermordet wurde, protestieren weltweit Menschen gegen Rassismus.
Der Vorfall wurde gefilmt, ging viral und löste eine Welle von Protesten und Aufständen aus, die abertausende von Menschen jeglicher Gesellschaftsschicht, People of Color, Black People und Menschen mit weisser Hautfarbe auf die Strasse führt, um gegen Rassismus und gegen institutionelle Polizeigewalt zu protestieren. Weltweit finden nun Demonstrationen und Solidaritätsbekundungen statt, mit dem Ziel die Black Community sichtbar und hörbar zu machen. Auch in der Schweiz. Georg Floyd ist zum Symbol gegen Rassismus geworden. Dieser Blogeintrag wurde aus einer Schwarzen Femme Perspektive geschrieben.

In den Berichterstattungen über die USA ist oft von strukturellem oder institutionellem Rassismus die Rede. Was bedeutet das genau? Wie Sozialanthropologin Serena Dankwa in einem Interview mit SRF unlängst erklärt:

«Von struktureller Diskriminierung redet man, wenn staatliche oder auch private Institutionen bestimmte Regeln und Prozesse aufweisen, die automatisch zu einer Diskriminierung bestimmter Menschengruppen führen. Etwa wenn die Polizei systematisch nach «people of color» Ausschau hält. Obwohl dies oft verneint wird, bei sogenannten Migrationskontrollen ist das sehr wohl der Fall.»

– Serena Dankwa, 3.6.2020

Viele Menschen in der Schweiz glauben, dass Rassismus nur in den USA ein grosses Problem sei, hierzulande jedoch nicht unbedingt. Ein Trugschluss: Der Rassismus in der Schweiz äussert sich nicht so offensichtlich wie in den USA, wo Schwarze Menschen auf offener Strasse durch white supremacists oder Polizeigewalt getötet werden. Doch auch in der Schweiz gibt es immer wieder Menschen, die in Polizeigewahrsam sterben. Das Gefährliche daran ist, dass dies weniger vor den Augen der Öffentlichkeit geschieht, sondern in Gefängnissen und Asylzentren, und somit eine grosse Möglichkeit besteht dies durch Institutionen zu vertuschen und unsichtbar zu machen. In den letzten zwanzig Jahren starben in der Schweiz pro Jahr mindesten zwei Menschen durch Polizeigewalt (Baile, Helvetzid, 2019).

Der jüngst erschienene Sammelband Racial Profiling. Struktureller Rassismus und antirassistischer Widerstand (Baile, u.a., 2019) macht deutlich: In der Schweiz ist «Racial Profiling» ein grundlegendes Problem und im institutionellen Wesen tief verankert. «Racial Profiling» beschreibt alle Formen von polizeilichen Handlungen gegenüber Personengruppen, die aufgrund der äusseren Erscheinung als «Fremde» angesehen und gewertet werden. Wie Mutombo Kanyana, Experte für Internationale Beziehungen und Direktor von CRAN Carrefour de Réfléxion et d’Action Contre le Racisme Anti-Noir, gegenüber Swiss-Info betont: Schwarze sind tagtäglich Durchsuchungen, Festnahmen und Abklärungen der Identität ausgesetzt. Ethnisch motivierte polizeiliche Kontrollen, bei denen spezifisch nicht-weisse Menschen häufiger durch die Polizei kontrolliert werden als weisse Menschen, stellt eine klare Benachteiligung von Minderheiten dar.

Bei der #BlackOutTuesday-Kampagne haben sich in den letzten Tagen viele Menschen mit der Black- Lives- Matter Bewegung auf den sozialen Medien solidarisiert und aktiv gegen Rassismus und institutionelle Diskriminierung ausgesprochen. Die schwarzen Quadrate der #BlackOutTuesday- Kampagne ist als solidarische Geste der Unterhaltungsindustrie zu verstehen. Ziel war es, eine Pause einzulegen und darüber zu reflektieren, wie stark die Unterhaltungsindustrie, von Schwarzer Kultur, besonders im musikalischen Bereich profitiert. Es stellt sich jedoch die Frage, wie sinnvoll solche Solidaritätskampagnen im Netz sind und inwiefern diese nachhaltig etwas verändern können. Für Kulturwissenschaftlerin Jovita dos Santos Pinto, schaffen solche Aktionen Sichtbarkeit, aber damit sei es nicht getan. Es sei wichtig, auf unterschiedlichen Wegen zu protestieren – sowohl in der Schweiz wie auch an anderen Orten. Es ist einfach Solidarität zu zeigen, indem man schwarze Quadrate auf den sozialen Medien postet und es ist auch einfach sich zu entrüsten, wenn Videos von Polizeigewalt an Schwarzen Menschen in den Medien zirkulieren.

Ein Plädoyer für informierte Solidarität

Dos Santos Pinto plädiert für eine informierte Solidarität. Sich auf eine solche nachhaltig und seriös einzulassen, sei für viele immer noch schwierig. Informierte Solidarität bedeutet genau zuhören und Unterstützung anbieten. Wie kann ich Schwarze Aktivist*innen und Organisationen unterstützen? Wie kann ich als weisse Person meine Privilegien teilen und diese für marginalisierte Identitäten zur Verfügung stellen? Denn gute Absichten reichen bei weitem nicht aus, wenn kein Austausch stattfindet. Dabei ist wichtig Schwarze Menschen zu inkludieren und miteinzubeziehen. Unterstützung ist gut, aber es ist entscheidender, Schwarzen Menschen zuzuhören und sich zu informieren, ohne dies auf Kosten der Energie und Zeit von marginalisierten Identitäten zu tun. Besonders weisse Menschen sollten über ihre Privilegien in der Gesellschaft reflektieren und eine anti- rassistische Haltung einnehmen. Im politischen Kontext ist es wichtig, dass weisse Organisationen mit nicht-weissen Organisationen zusammenarbeiten. Wie Jovita dos Santos Pinto pointiert:

«Ja natürlich, unterstützt uns. Aber hört uns zu, informiert euch. Arbeitet mit uns, nicht über unsere Köpfe hinweg».

– Jovita dos Santos Pinto, 4.6.2020


Text von Katerine Omole.

Art and Politics, Empfehlung, Exhibition reviews

Bewegung im Amazon-Käfig – Covid-19 berichtet live

Die Arbeit eines australischen Künstlers wirft die Debatte über den Wert menschlicher Arbeit in Verhältnis zu Würde und Freiheit im Spätkapitalismus am Beispiel Amazon auf. Unter dem Eindruck der aktuellen Covid-19 Pandemie spiegelt das Kunstwerk die Situation verschiedener Gesellschaftsgruppen und Kunstinstitutionen im Lockdown auf vielschichtige Weise wieder.

Simon Denny: Amazon worker Cage projection, 2019. Photo: Kunstmuseum Basel|Gegenwart


In der aktuellen Ausstellung Circular Flow. Zur Ökonomie der Ungleichheit des Kunstmuseum Basel|Gegenwart zeigt der australische Künstler Simon Denny die Arbeit Amazon Worker Cage projection. Amazon meldete 2016 ein Patent auf einen neuen „Workspace“ für Arbeiter*innen an. Dabei handelt es sich um einen metallenen Käfig mit Greifarm und Rollen. Die Arbeiter*innen sollten in diesem Käfig sitzen, ihn durch den Arbeitsplatz fahren und mit dem Greifarm Güter bewegen. Was vielleicht als Schutzmaßnahme gedacht war, ist ein giftiger Kommentar zur Würde der Arbeiter*innen in einem globalen Konzern. Der Käfig lässt sich nämlich nur von außen öffnen. Tatsächlich hat Amazon einen solchen „Workspace“ aufgrund enormer öffentlicher Kritik niemals gebaut und von dem Patent keinen Gebrauch gemacht. Erst Denny materialisierte diese Erfindung in seiner Arbeit.

Aufgrund der aktuellen Covid-19 Pandemie und dem gefolgten Lockdown entwickelt sich ein neuer Blick auf diese Arbeit. Neben einer entmutigenden Zurschaustellung des Wertes menschlicher Arbeit thematisiert das Werk das komplexe Verhältnis von Schutz, Grenze, Freiheit und Bewegung und wie sich dieses Kräfteverhältnis in Krisenzeiten massiv verschieben kann. Das „Einsperren am Arbeitsplatz“ versucht sich unter dem Mantel des Arbeitnehmerschutzes zu tarnen. Der Guardian berichtet im Februar 2020 über menschenunwürdige Verhältnisse in den Lagerhallen des Versandriesen. Ilya Geller, eine „Pickerin“ bei Amazon, berichtet in eben diesem Beitrag über das Tracking-System des Konzerns, das die Produktivität und Arbeitsgeschwindigkeit der Mitarbeitenden überwacht. Wird man diesen nicht gerecht, generiert der Algorithmus eine Meldung ans Management – 3 Meldungen bedeuten den Jobverlust. Ein Käfig als Arbeitsplatz würde die bereits auf ein Minimum beschränkte (Bewegungs-)Freiheit weiter beschneiden und die Kontrolle über die Angestellten weiter erhöhen. Wie sieht es aber im globalen Lockdown aus? Wer wird aufgrund von „Systemrelevanz“ Ansteckungsgefahren ausgesetzt? Wo hingegen ist Würde und Freiheit unantastbar und wie weit darf Schutz reichen? Diese Fragen versuchen demonstrierende Arbeitnehmer*innen bei Amazon, Walmart und Target genauso zu beantworten, wie die als „Coronaidioten“ bezeichneten Massen, welche den Besuch beim Friseur vermissen.

Amazon employee protests working condition during Covid-19 Pandemic, Staten Island, March 2020. Photo: Spencer Platt/Getty Images


Wie die Ausstellung Circular Flow deutlich macht, sind wirtschaftliche, politische, rechtliche und soziale Ungleichheitsverhältnisse aufgrund von „Rasse“, Geschlecht und Sexualität nicht erst mit Covid-19 entstanden. Auch soll nicht der Eindruck entstehen, dass vor der Pandemie sich alle gleichermassen „frei“ bewegen konnten. Gleichwohl hat das Virus die globale Ökonomie der Ungleichheit noch verstärkt und auch stärker sichtbar gemacht: Time berichtet von einer strukturell stärker betroffenen Niedriglohn Gesellschaft durch das Virus, die TAZ und der NDR arbeiten heraus, warum Frauen die Krise heftiger und nachhaltiger trifft als Männer. Wurde der „Workspace“ Amazons eventuell wegen hohen öffentlichen Drucks nicht umgesetzt, ist der Lockdown durch Covid-19 ein Marker dafür, wer es sich leisten kann, sich selbst zu schützen.

Im Amazon-Käfig spiegelt sich eine weitere aktuelle Situation. In Zeiten der Ökonomisierung aller Gesellschaftsbereiche sehen sich auch die Kunstmuseen und Galerien der hohen Erwartung ausgesetzt, immerzu sichtbar, produktiv und auch profitabel zu sein. Je nachdem, welche Art der Kunstinstitution, ob nun staatlich gefördert, privat finanziert oder als Geschäftsmodell verstanden, changiert der Anspruch. Seit dem Lockdown sind die Museumshallen verlassene Orte. Die Erwartung, Kunst öffentlich zugänglich zu machen und dabei möglichst viele Klicks zu generieren, steigt.

Bereits vor den Lockdown saßen die Institutionen in einer Art Amazon-Käfig, gebaut aus finanziellem Druck, hohen Erwartung nach Sichtbarkeit und Besucher*innenzahlen. Mit dem Lockdown schließen sich nun buchstäblich die Türen des „Workspaces‘“. Der Handlungsspielraum hat sich stark reduziert, bzw. kann nicht mehr in gewohnter Manier bespielt werden. In unglaublicher Geschwindigkeit haben Kunstmuseen und Galerien auf die Lage reagiert. Die zuvor mal mehr mal weniger gestalteten Social-Media-Kanäle werden zu Arenen der Kunstvermittlung ausgebaut. Jede Institution produziert ihrer spezifischen Aufgabe und Herausforderung entsprechend Blogs, Live-Talks und virtuelle Ausstellungen und Führungen. Das Kunstmuseum Basel veröffentlicht beinahe täglich ein Blogbeitrag, einmal Färben mit Kurkuma (für Kinder und alle, die es noch werden wollen), Vorstellung und Besprechung der Lieblingswerke von Mitarbeitenden oder Führungen mit Direktor Dr. Josef Helfenstein. Die Kunstgalerie KÖNIG aus Berlin hat gemeinsam mit der Kuratorin Annika Meier und dem Künstler Manuel Rossner eine einjährige Ausstellung in der St. Agnes auf die Beine gestellt – als App. Suprisingly, this rather works steht für alle Smartphone-Nutzer*innen kostenlos im App Store zur Verfügung. Sogenannte Live-Talks auf Instagram und Co. scheinen für alle verpflichtend zu sein. Selten war es so leicht, aus einem kleinen Dorf wie Maikammer die Ausstellung im MoMA zu sehen und gleich danach „the essential staff members“ des MET kennen zu lernen. Für all die Menschen, die sich mit Instagram, Challenges, IGTV, App-Ausstellungen oder Live-Talks nicht auskennen, keinen Zugang zum digitalen Raum haben oder schlicht nicht im Besitz von Smartphone, Tablet und Notebook sind, bleiben die Kunstinstitutionen jedoch stumm.

Ausstellung: Suprisingly, this rather works, von KÖNIG Galerie, Annika Meier mit Manuel Rossner, bis 9. April 2021 im App Store


Produktivität in der Krise oder kreative Auszeit – Einmal mehr muss über die Aufgabe und Zugänglichkeit von Kunstinstitutionen reflektiert werden. Wird das Museum künftig an den Einsatz neuer Technologien gekettet und an der globalen Reichweite seines Medienauftritts gemessen, so wie uns das Dennys Amazon Workers‘ Cage vor Augen führt? Die Ausstellung Circular Flow wirft einen kritischen Blick auf ökonomisch begründete Sachzwänge und erinnert daran, dass mehr (digitale) Bewegungsfreiräume für die einen, mehr Einschränkung, Kontrolle und Überwachung für die anderen bedeutet.


Text von Charlotte Pfirrmann.

Art and Politics, Veranstaltung / Event

Aesthetics, Raciality, and Dispossession

Nächsten Montag, 25.5.2020, findet um 18.15 Uhr ein Online-Vortrag (auf Englisch) mit Rizvana Bradley, Assistenzprofessorin in Kunstgeschichte und African-American Studies an der Yale University, statt, moderiert von Dominique Grisard (The Art of Intervention, Gender Studies, Basel):

This talk addresses racialized embodiment and embodied life in relation to the interlocking questions of violence, surplus, and representation that subtend globalized flows of capital. If, as Paula Chakravartty and Denise Ferreira da Silva suggest, the logic of global financial capital hinges upon an irreducible raciality, how might we think about the minor aesthetic practices generated by „aberrant economic subjects“ who at once bear the conditions of possibility for, intransigent threats to, and deviant enactments of dispossessive accumulation?

Nach dem Vortrag können live Fragen gestellt werden. Informationen zum Online-Zugang finden sie hier. Für den Flyer zur Veranstaltung klicken sie hier (PDF).
Eine Veranstaltung im Kontext der Ausstellung Circular Flow am Kunstmuseum Basel.

Image: Cape Coast Castle is a fortification in Ghana. The Castle was built for the trade in timber and gold, later it was used in the trans-Atlantic slave trade, today it accommodates a museum operated by the Ghana Heritage Trust. Photographed by Julius Cruickshank (Australia), CC BY 2.0, wikimedia commons.

Politics, Veranstaltung / Event

family*issues: Gespräch in der Kaserne Basel

Familie* ist eine Lebensform in Bewegung. Im Fokus dieses Gesprächs stehen die sich aktuell stark wandelnden, zunehmend translokalen Arrangements von Patchwork-, Regenbogen-, Pflege-, Flüchtlings- und migrantischen Familiennetzwerken sowie die Grenzen und Widerstände, denen diese neuen Familienpraxen begegnen.
Familie* ist auch geprägt von Ambivalenzen. Wir sprechen über Familie als Erfahrungsraum der Geborgenheit, der Intimität und der gegenseitigen Zuwendung und Sorge füreinander aber auch als Ort der Gewalt, des Missbrauchs, der Vernachlässigung und der Reproduktion von Ungleichheitsverhältnissen. Ziel ist es, die Bedeutung der aktuellen Prozesse rund um Familie aus Sicht von Wissenschaft und Praxis kritisch einzuschätzen.

Am Sonntag, dem 22.3. um 15 Uhr in der Kaserne Basel, Rossstall II. Eintritt frei.

Es diskutieren: Reto Schgoer und Hasnain (Pflegefamilie); Jana Häberlein, (Soziologie Universität Basel & Co-Präsidium Anlaufstelle für Sans Papiers Basel (angefragt)), Recha la Dous (stv. Theaterleitung und Öffentlichkeitsarbeit Freies Theater Tempus Fugit, Lörrach), Andrea Zimmermann (The Art of Intervention & Gender Studies Universität Basel)
Moderation: Dominique Grisard (The Art of Intervention & Gender Studies Universität Basel)

Eine Veranstaltung im Rahmen von What Is Human – ein Abend über und mit Familie* in der Kaserne Basel.

Bild von Pixabay.

Art and Politics, Veranstaltung / Event

Ankündigung

Diesen Donnerstag Nachmittag finden ab 16 Uhr eine ganze Reihe von Veranstaltungen in der Ausstellung Circular Flow im Kunstmuseum Gegenwart, St. Alban-Rheinweg 60, statt:


Studentische Fokusführungen

Die Führungen wurden von Studierenden im Rahmen eines Kompetenzkurses der Gender Studies konzipiert. Die Führungen sind kostenlos und frei zugänglich. Sie können ohne Voranmeldung besucht werden. Die Teilnehmer*innenzahl ist auf 20 Personen pro Führung beschränkt. First come, first serve!

Termine und Themen:
12. März, 16.00-17.00 Uhr, zum Thema Money Flow
12. März, 17.00-18.00 Uhr, zum Thema Body Flow
12. März, 17.00-18.00 Uhr, zum Thema Black Flow
26. März, 16.00-17.00 Uhr, zum Thema Postcolonial Flow


Podiumsdiskussionen

Money Flow. Markt, Macht und Männlichkeit
12. März, 18.15-20.00 Uhr, Kunstmuseum Gegenwart

ACHTUNG: DIE VERANSTALTUNG WURDE LEIDER ABGESAGT!
Falls möglich, werden wir die Veranstaltung nachholen. Wir werden hier zu gegebener Zeit informieren. Wir wünschen euch alle eine gute Gesundheit!

An diesem Abend geht es um die Zusammenhänge zwischen Markt, Macht und Männlichkeit ausloten. Wir werden Beobachtungen aus der Perspektive der Kunst und aktueller empirischer Forschung zusammenbringen und die Konsequenzen neoliberaler Gewinnmentalität hinsichtlich der damit verbundenen gesellschaftlichen Konfliktfelder und der Auswirkungen auf die einzelnen Akteure beleuchten.

Der Abend wird eröffnet mit einer szenischen Lesung von Texten von Kathrin Röggla, die vom Theater Basel eingerichtet wird.
Schauspieler*innen: Isabelle Menke und Mario Fuchs
Einrichtung der Lesung: Selina Peter

Es diskutieren:
Kathrin Röggla (Autorin und Vize-Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin)
Stefan Leins (Juniorprofessor in Ethnologie an der Universität Konstanz)
Anika Thym (Wirtschaftswissenschaften, Gender Studies & Soziologie, G3S, Universität Basel)
Moderation: Andrea Zimmermann (Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am Zentrum Gender Studies der Universität Basel und Mitbegründerin und Kuratorin der Veranstaltungsreihe The Art of Intervention)

Die Veranstaltung ist kostenlos.

Postcapitalist Flow (Neo)koloniale Verstrickungen und
Konturen einer Gesellschaft jenseits globaler Ausbeutung
26. März, 18.15-20.00 Uhr, Kunstmuseum Gegenwart

ACHTUNG: DIE VERANSTALTUNG WURDE LEIDER ABGESAGT!
Falls möglich, werden wir die Veranstaltung nachholen. Wir werden hier zu gegebener Zeit informieren. Wir wünschen euch alle eine gute Gesundheit!

Zwar sehen immer mehr Menschen den Kapitalismus als Ursache und nicht als Lösung der grossen Krisen des 21. Jahrhunderts, doch die Frage nach konkreten Alternativen scheint schwierig zu beantworten. Ausgehend von der Analyse globaler und neokolonialer Ausbeutungsstrukturen und intersektionaler Ungleichheiten wagen wir es in dem Panel, eine andere Ökonomie und eine solidarische Lebensweise, hin zu einer demokratischen, sorgsamen und bedürfnisorientierten Gesellschaft, zu denken.

Es diskutieren:
Friederike Habermann (freie Wissenschaftlerin & Aktivistin, Berlin)
Andreas Siekmann (Künstler, Berlin)
Mira Koch (Sozialanthropologie und Projektleiterin bei Cooperaxion, Bern)
Tina Bopp (Sozialwissenschaften, G3S, Basel)
Moderation: Sarah Schilliger (Soziologie, Bern/ Fribourg)
In Kooperation mit Art of Intervention und dem Doktoratsprogramm G3S (Graduate School of Social Science).

Die Veranstaltung ist kostenlos.

Eine Kooperation des Kunstmuseum Basel mit Art of Intervention und dem Doktoratsprogramm G3S (Graduate School of Social Science), Universität Basel. Hier geht es zum Programm und weiteren Veranstaltungen im Überblick (PDF).


Bild: Richard Mosse, Grid (Moria), 2016-2017, 16 channel video installation. © Courtesy the artist

Art and Politics, Empfehlung, Veranstaltung / Event

Empfehlung: Tropenliebe im Theater Basel

Gleich dreifach lockt das Theater Basel diesen Winter mit Denkfutter:

Mit Wiederauferstehung der Vögel befasst sich der Regiesseur Thiemo Strutzenberger, mit dem Buch Tropenliebe von Bernhard C. Schär, welches sich mit Fritz und Paul Sarasin, zwei Basler Patriziersöhnen die vor ungefähr hundert Jahren zusammen die Welt bereisten und viel zur Sammlung des Museums der Kulturen Basel beitrugen.

„Es ist der Versuch, in der privaten Lebensgeschichte der beiden Basler Grosscousins nach den Bedingungen und Konsequenzen ihrer imperialen Verstrickung zu suchen, ihr Leben mit einer Geschichte des Geldes, des Wissens, der Herrschaft und der Gewalt in Verbindung zu bringen“ – Thiemo Strutzenberger

Stimmen aus einer archivierten Stille (bis Mai 2020) ist eine dazu gehörende Rechercheausstellung zur Basler Kolonialgeschichte, basierend auf Schärs Buch. Die beiden Ausstellungsmacherinnen Vera Ryser und Sally Schonfeldt begaben sich in den Basler Archiven auf die Suche nach dem Erbe der beiden Naturforscher. Zusammen mit Künstler_innen aus Sri Lanka und Indonesien ist ein alternatives Archiv entstanden, das den Blickwinkel der Herkunftsländer miteinbezieht und einen erweiterten Interpretationsraum für die damals entstandenen Forschungsergebnisse eröffnet.

Schliesslich findet zudem noch eine Diskussionsreihe zur Thematik statt. Die nächste befasst sich mit der Frage, Wie werden rassistische Denkweisen tradiert?. Es diskutieren:
Tarek Naguib, Jurist mit Schwerpunkt Diskriminierungsschutz
Ruveni Wijesekera, Case Managerin Schweizerisches Roten Kreuz SRK
Bernhard C. Schär, Historiker ETH Zürich und Autor der Studie «Tropenliebe»
Moderation: Serena Owusua Dankwa, Sozialanthropologin und Geschlechterforscherin

Hier finden Sie das Porgramm (PDF).

Symbolbild von Pixabay.