Empfehlung

Empfehlung: Mimesia (Miriam Coretta Schulte)

Vom 16.-20.3.2019 findet in der Kaserne Basel Mimesia von Miriam Coretta Schulte statt und verspricht fünf Abende, die sich ganz der Kraft der Imitation widmen. Um es in den poetischen Worten des Programms der Kaserne Basel wieder zu geben:

Sie schaffen in neuer Konstellation Anleitungen und Muster, um sich gegenseitig zu beeinflussen. Sie schauen sich um und imitieren. Sie bauen Podeste für andere statt für sich selbst. Sie tanzen auf der Grenze von Unkontrollierbarkeit und radikaler Entschiedenheit, um ihre und unsere Identitäten zu erweitern. Das kann danach weitergehen – auf der Bühne und im realen Leben. Wir werden uns also verändern, aber sicher nicht allein.

Am 18.3.2019 um 19.30 Uhr findet zudem eine Einführung mit dem Titel Das Spiel der Mimesis – Einführende Überlegungen zu einer Kritik der Geschlechterordnungvon Dominique Grisard (Swiss Center vor Social Research) und Andrea Zimmermann (Zentrum Gender Studies, Universität Basel) statt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Exhibition reviews

Medienspiegel zur Ausstellung (2)

Hier die letzten Artikel zur Ausstellung Martha Rosler & Hito Steyerl War Games. Das Fazit: Eine fulminante Ausstellung voller Denkanstösse.

1.8.2018 Springerin: Martha Rosler/Hito Steyerl War Games

5.9.2018 Brooklyn Rail: Martha Rosler and Hito Steyerl: War Games

1.10.2018 Kunstbulletin: Martha Rosler & Hito Steyerl — Böse Spiele

30.12.2018 NZZ am Sonntag: Der Krieg der Bilder

Unabhängig voneinander und in ihrer Gegenwartsanalyse doch eng verwandt, sagen beide Künstlerinnen jeder Hingabe an den Weltschmerz den Kampf an. Das Werk der Jüngeren gewinnt mit Rosler ein bis in die 1960er-Jahre zurückreichendes Fundament. Und wenn die Ältere, lange unter dem Vorzeichen feministischer Kunst gesehen, die Zukunft der US-amerikanischen Kampfdrohnen in den Blick nimmt, findet sie in Steyerl eine ebenso unerschrockene Komplizin. –Isabel Zürcher, Kunstbulletin

Art and Politics, Politics

Bla*Sh

Der Name scheint einem Comic entnommen: Bla*sh.

Blash!

Nach Lärm und Aufstand klingt das.

Das Wort ‚Aktivismus‘ findet sich aber nicht in der Beschreibung von Bla*sh. Und trotzdem würden sie sich als Aktivistinnen sehen, sagt Rahel El-Maawi, Freischaffende in der Sozio- und Bewegungskultur. Zusammen mit Sarah Owens spricht sie an diesem Abend im Kunstmuseum Gegenwart über soziales, kulturelles und politisches Empowerment und darüber, was es heisst, als Schwarz[1] wahrgenommen zu werden.

Das hat wenig mit dem lautem Protest zu tun, wie wir ihn zum Beispiel von Bildern des BlackLivesMatter-Movements kennen. Das Engagement von Bla*Sh scheint alltäglicher – deswegen ist es nicht weniger wichtig. Bla*Sh (für Black She mit Gendersternchen) engagiert sich zum Beispiel im Bereich der Wissensproduktion. Im Netzwerk gibt es seit Beginn einen Austausch über Schwarze Autorinnen und Journalistinnen. Zudem suchen sie nach Kinderbüchern, welche nicht nur den weissen, heteronormativen Teil der Schweizer Gesellschaft abbilden. Sie organisieren Diskussionen, Kulturveranstaltungen oder beteiligen sich am öffentlichen Diskurs, wie eben im Kunstmuseum Basel.

„Gegen Innen gibt uns Bla*Sh einen geschützten Raum. Das ist wichtig, um mit diskriminierenden Erfahrungen im Alltag nicht alleine dazustehen und um diese Erfahrungen im Gespräch auch einordnen zu können“, sagt Sarah Owens, Dozentin an der Hochschule der Künste in Zürich. Bla*Sh sei ein Netzwerk, welches den Erfahrungen Schwarzer Frauen eine Sprache verleihe.

Wie offen Sarah Owens und Rahel El-Maawi über eigene Erfahrungen sprechen ist eindrücklich. Sie tun das ruhig, mit einer gewissen Distanz, über einige besonders absurde Erlebnisse können sie lachen. Deswegen verlieren die Themen nicht an Brisanz. Owens erzählt davon, dass sie in Diskussionen immer und immer wieder erklären müsse, dass sie ja Dozentin an einer Hochschule der Gestaltung sei und darum durchaus über Design und Ästhetik sprechen könne. El-Maawi erzählt von ähnlichen Erfahrungen: Solange es um eine Meinung zum Schwarz-sein-in-der-Schweiz gehe, sei Bla*Sh eine oft adressierte Gruppe. Doch sobald sie sich unabhängig von diesem Netzwerk und in einem anderen Themenfeld bewege, müsse sie sich dafür rechtfertigen.

Sichtbar sein und Unsichtbar sein wollen, Unsichtbar sein und Sichtbar sein wollen, dies sind die Themen, denen Owens und El-Maawi viel Platz einräumen. Es gäbe Situationen in ihrem Alltag, da wünsche sie sich unsichtbar zu sein, sagt Owens, sie werde wegen ihrer Hautfarbe ständig als anders wahrgenommen. Umgekehrt sind Schwarze Frauen in den genannten Kinderbüchern oder aber in der Politik nicht oder nur schlecht repräsentiert und bleiben unsichtbar.

Wohl werden Ownens und El-Maawi auch in ihrem Dialog im Museum für Gegenwartskunst vor allem als Schwarze Frauen wahrgenommen, denn sie sprechen ja über ihre Erfahrungen damit, als sichtbar ‚anders‘ wahrgenommen zu werden. Und doch soll genau dieses Wahrnehmungsraster schlussendlich überwunden werden. Das wird paradoxerweise nur gelingen, wenn sich Menschen wie Owens oder El-Maawi in die Öffentlichkeit stellen, über ihre Erfahrungen sprechen und sich damit erneut den Zuschreibungen aussetzen. Doch gleichzeitig setzen sie diesen Zuschreibungen auch etwas entgegen.

Es scheint das Dilemma zu sein, in welchem sich diese Diskussion ständig bewegt.

„Wo sind die Schwarzen Frauen?“, habe Audre Lorde an einer Vorlesung in Zürich in den 90er Jahren gefragt. Der Weisse Feminismus habe sich sehr für sie interessiert, doch damit sei Blackness lange ein Weisser Diskurs geblieben.

Im Kunstmuseum Gegenwart sassen letzte Woche, mich eingenommen, fast ausschliesslich Weisse Menschen. Dies ist im Umfeld der Universität und der Museen in Basel nicht ungewöhnlich, doch im Kontext des Talks zum Netzwerk schwarzer Frauen tritt dieser Umstand noch deutlicher hervor.

Nach 10 Minuten standen zwei Weisse Männer auf und verliessen den Raum. Am Ende des Vortrags erklärte eine Weisse Frau im Publikum, als Jüdin könne sie sich in die Situation der beiden Referentinnen hineinversetzen. Vor 20 oder 30 Jahren sei sie auf diesem Stuhl gesessen, vielleicht auf einem Podium wie diesem. Diese Wortmeldung empfand ich als unangebracht: Obwohl die Frau wohl ihre Solidarität ausdrücken wollte, wirkte ihr Kommentar herablassend. „Wir“ waren einmal dort, wo „ihr“ jetzt seid. Diese Zuschreibungen verstärken meines Erachtens die Lücken zwischen den gesellschaftlichen Gruppen. Ausserdem generiert der Kommentar eine stringente Entwicklung, welche früher oder später für scheinbar alle gesellschaftlichen Teile einsetzen wird: ‚So wie uns wird es auch euch geschehen.’ Nicht zuletzt übersieht der Kommentar, dass jene negativen Zuschreibungen, welche Schwarze Frauen in der Schweiz durch ihre ständige Sichtbarkeit im Alltag erhalten, auf eine jüdische Frau nicht im selben Ausmass zutreffen kann.

Diese Beobachtung führt im weitesten Sinne zur Frage, wer wie über wen sprechen darf: Dürfen Menschen, die einer Minderheit oder einem diskriminierten Gesellschaftsteil angehören eher über andere, ebenfalls diskriminierte Teile der Gesellschaft urteilen?

Text by Juri Schmidhauser.


[1] Schwarz soll in diesem Text ebenso verwendet werden, wie das Sarah Owens und Rahel El-Maawi von Bla*Sh in ihrem Talk tun: Schwarz ist eine Zuschreibung welche zu Stigmatisierungen dieser Menschen führt. Schwarzsein soll aber Selbstbestimmt sein.

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Today! «Art, War, Displacement» Roundtable Conversation with Hito Steyerl, Heja Niturk, Sener Özmen and Önder Çakar

We’re very much looking forward to the final event of our lecture series, a roundtable talk on „Art, War, Displacement“ with Hito Steyerl, Heja Niturk, Sener Özmen and Önder Çakar, moderated by Bilgin Ayata and with an introduction by Sören Grammel. Please join us at Kunstmuseum Basel | Gegenwart, St. Alban-Rheinweg 60, 4052 Basel at 6 pm.

The talk will be held English, German, Kurdish and Turkish with translations in German available.

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Intervention with the Body

Michèle Magema is a Congolese-French artist who deals with questions of identity, race,colonialism and femininity in her work. Although she is a multi-media artist, she herself states that performance is her favorite medium, because it is most“real” and can never be replicated identically, duplicated or viewed twice. Similarly, her presentation on 13th November at Museum for Gegenwartskunst mirrors this statement. Instead of giving a talk about the body or theory behind her work, her talk seems to be more of a performance in which she stages her identity:“identité multiple et complex” (“multiple and complex identity”). This is what she performs in her talk, where she uses fragments of words that define her and her experience as a woman, Congolese, African and European. She performs these identities in a form of rhythmic speech: “Congo. L’Idée. Exploité.(…) Génocide Oublié.” (Congo. The idea. Exploited. Forgotton Genocide). In the beginningof her speech, she says she is “Congolese, French, Parisienne,” categorizing herself with words that on the one hand may reflect contradictions but on the other hand which define her reality and her experience. In colonialism, and in post-colonial societies, the non-white and the colonial subject is othered and can thus never be truly “European,” or “French”. Nevertheless, although colonial ideology perpetuates a dichotomy between the European and the “other,” reality, especially because of and in post-colonial societies, prove that identities are always mixed and fragmented rather than categorical. Identities can be fractured, layered, mixed, and woven into one, and Magema represents this through her body and her work. She proves her own existence by deconstructing those dichotomies, through performing with her body. Therefore, she herself acts as a form of resistance: “Je veux laisser des traces. Je resiste” (I wantto leave traces. I resist). Resistance is formed by portraying an experience that is more complex and real than dominant political ideologies and propaganda. Through her performances and her body, she takes up space, proving and marking her existence.

The use of the body, as generally with performances, is central to Magema’s work. This is evident, for example, in her famous piece two-channel video installation “Oyé Oyé.” One channel shows the artist miming a military march with her head cut off, the other channel shows public images from the Mobutu Era, including parades with young women. In her analysis of the work, N’Goné Fall writes: “In both, the African female body is shown as an instrument of propaganda. By parodying the political concept of identity, Magema forces us to reconsider a country’s past”.[1]Therefore, not only her body itself, but also the body in its female form acts as a catalyst for rereading both the past and present. Through being active in the performance, Magema takes control of herself and herself as a subject rather than being an instrument of propaganda.

In one of her newer works, “Derrière la Mer”(Behind the Ocean) from 2016, Magema also shows a woman, probably herself, walking out into the ocean on a two-frame scene, with rhythmic singing playing in the background. In the second half of the video, the woman returns to the coast, putting signs up in the sand. The signs are encrypted, although still illegibly. The video switches between two and three different frames, while sometime the frame is merely mirrored in the second frame. At four minutes into the video, the frame darkens. After the darkness, we see a body lying at the shore between the signs which read “Past” and “Truth”. Uploaded on her Vimeo channel only one year after the Europe-wide debate on refugees, this video can be read as a commentary on the increased death toll of refugees drowning in the Mediterranean. However, in light of her overall body of work and her position as an artist, this video seems more complex. Rather, it could also be understood as personal revelation, where Magema embodies perhaps both herself as well as other people whose existence and identities are fractured by the Mediterreanean, or what borders represent. It is open to the interpreter whether truth is to be found or lost in the past.

Text by Fabienne Bieri.


[1] https://feministartblog.files.wordpress.com/2014/08/fall_global-feminisms_providing-a-space-of-freedom.pdf

Art and Politics

The third lecture: Michèle Magema

In her speech, Michèle Magema reflects on the difficulty of positioning oneself and others in a postcolonial world with a haunting past and complex contemporary realities. Her lecture, Performing in public space at the time of identity claims and political resistances, can be listened to here:

Michèle Magema, 13.11.2018

The next lecture will be by Sarah Owens and Rahel El-Maawi and is called Wer interveniert? Gedanken aus kunst/kultur_aktivistischer Perspektive in which they will give insights on taking an intersectional perspective in their artistic and activist work.

For more information, please see also the program of the lecture series.

Fotos: Impressions from the lecture. © Private.